Die wichtigste Unterscheidung: Indoor oder Outdoor
Im Handel steht viel unter dem Etikett Zimmerbonsai, was dort nichts zu suchen hat. Der Grund ist biologisch: Bäume aus gemäßigten Klimazonen brauchen eine Kälteperiode, um ihre Ruhephase abzuschließen. Ohne diesen Reiz treiben sie unregelmäßig, schwächen sich über zwei bis drei Jahre ab und sterben. Ein warmes Wohnzimmer ist für eine Kiefer kein Geschenk, sondern Dauerstress.
| Art | Standort | Für wen geeignet |
|---|---|---|
| Ficus (Birkenfeige, Ginseng-Ficus) | Innen, hell, ganzjährig über 15 Grad | Einstieg, sehr fehlerverzeihend |
| Chinesische Ulme | Innen kühl oder außen mit Winterschutz | Einstieg, treibt gut aus dem alten Holz |
| Carmona (Fukientee) | Innen, hell und warm | Erfahrene, reagiert empfindlich auf Standortwechsel |
| Japanischer Fächerahorn | Außen, halbschattig | Fortgeschrittene, spektakuläre Herbstfärbung |
| Kiefer, Wacholder, Lärche | Außen, ganzjährig | Fortgeschrittene, eigene Schnittlogik |
Substrat und Gießen hängen zusammen
Bonsai stehen in sehr flachen Schalen. Damit die Wurzeln in diesem kleinen Volumen nicht ersticken, wird bewusst grobes, mineralisches Substrat verwendet: Akadama, Bims, Lava, oft im Verhältnis um ein Drittel je Komponente. Solche Mischungen speichern wenig Wasser und leiten überschüssiges schnell ab.
Die Konsequenz ist Gießaufwand. An heißen Sommertagen kann ein kleiner Baum in flacher Schale zweimal täglich Wasser brauchen. Wer viel unterwegs ist, sollte das vor dem Kauf einkalkulieren. Gegossen wird nicht nach Plan, sondern wenn die Substratoberfläche abzutrocknen beginnt, und dann durchdringend, bis unten Wasser austritt.
Schnitt: zwei verschiedene Arbeiten
Es lohnt sich, die beiden Schnittarten sauber zu trennen.
- Strukturschnitt. Hier entscheidet sich die Form des Baumes. Ganze Äste fallen weg. Bei Laubbäumen passiert das im späten Winter, wenn die Struktur ohne Blätter sichtbar ist und die Wunde bis zum Austrieb Zeit zum Verschließen hat.
- Pflegeschnitt. Laufende Korrektur während der Wachstumsperiode. Neue Triebe werden auf zwei bis drei Blattpaare eingekürzt. Das bremst das Längenwachstum und erzeugt die feine Verzweigung, die einen Bonsai alt aussehen lässt.
Nadelbäume folgen anderen Regeln. Kiefern werden im Frühsommer über den sogenannten Kerzenschnitt ausgeglichen, bei dem die noch weichen neuen Triebe je nach Stärke unterschiedlich stark gekürzt werden. Wer das zum ersten Mal macht, verschenkt leicht ein Jahr Wachstum, deshalb ist gerade hier eine Anleitung aus erster Hand hilfreich. Was die verschiedenen Kursformate taugen, steht unter Bonsai-Workshops und Kurse.
Drahten: Form geben, ohne Schaden anzurichten
Draht führt Äste in eine Richtung, die der Schnitt allein nicht erreicht. Verwendet werden geglühter Kupferdraht oder eloxierter Aluminiumdraht mit etwa einem Drittel der Aststärke. Der Draht wird in einem Winkel von rund 45 Grad locker gewickelt, niemals stramm.
Der kritische Punkt kommt später: Der Ast wächst weiter, der Draht nicht. Wird er zu spät entfernt, schneidet er dauerhaft sichtbare Spiralen in die Rinde. Bei kräftig wachsenden Arten kann das innerhalb einer einzigen Saison passieren, deshalb gehört gedrahtetes Material alle paar Wochen kontrolliert.
Gestaltungsformen als Orientierung
Die klassischen Formen sind keine Vorschrift, sondern ein Vokabular. Sie helfen, eine Idee zu fassen, bevor die Schere angesetzt wird.
| Form | Merkmal | Passt zu |
|---|---|---|
| Chokkan, aufrecht | Gerader, sich verjüngender Stamm | Nadelbäume mit klarer Mittelachse |
| Moyogi, geschwungen | S-förmiger Stamm, Spitze über dem Ansatz | Die häufigste und nachsichtigste Form |
| Shakan, geneigt | Stamm schräg, Wurzeln einseitig ausgeprägt | Bäume mit Windgeschichte |
| Kengai, Kaskade | Krone fällt unter den Schalenrand | Wacholder, hängende Arten |
Umtopfen und Wurzelschnitt
Umgetopft wird im Frühjahr kurz vor dem Austrieb, bei jungen Bäumen etwa alle zwei Jahre, bei alten seltener. Dabei wird ein Teil des Wurzelwerks eingekürzt, üblicherweise um bis zu einem Drittel. Das klingt drastisch, ist aber genau der Vorgang, der das feine Wurzelnetz erzeugt, von dem der Baum in der flachen Schale lebt.
Nach dem Umtopfen steht der Baum zwei bis drei Wochen geschützt, wird nicht gedüngt und nur zurückhaltend gegossen. Wer Schnitt und Umtopfen im selben Jahr kombiniert, sollte beides zeitlich trennen, sonst summieren sich zwei Belastungen.
Häufige Fehler
- Heimische Art im Wohnzimmer, weil das Etikett Zimmerbonsai sagte.
- Normale Blumenerde statt mineralischem Substrat, dadurch Staunässe und Wurzelfäule.
- Draht zu lange am Ast gelassen, dauerhafte Narben in der Rinde.
- Zu viel auf einmal: Schnitt, Drahtung und Umtopfen im selben Monat.
- Schädlinge zu spät bemerkt. Gerade Indoor-Bonsai bekommen im Winter Spinnmilben, siehe Pflanzenschutz.