Bonsai ist eines der wenigen Pflanzenthemen, bei denen Anleitung durch Zusehen deutlich schneller trägt als Lesen. Der Grund ist einfach: Schnitt und Drahtung sind Handbewegungen. Wo ein Text schreibt, dass der Draht locker in etwa 45 Grad anliegen soll, sieht man in zehn Sekunden am lebenden Ast, was locker bedeutet und wo es zu fest wird.
Die vier Formate im Vergleich
| Format | Dauer | Kostenrahmen | Passt für |
|---|---|---|---|
| Einsteigerworkshop | 3 bis 8 Stunden | 60 bis 250 Euro, je nach Material | Erster eigener Baum, Grundtechniken |
| Vereinsabend | Monatlich, dauerhaft | 30 bis 60 Euro Jahresbeitrag | Langfristige Begleitung, günstigster Weg |
| Onlinekurs | Selbstbestimmt | 0 bis 200 Euro | Theorie, Artenkunde, Wiederholung |
| Meisterseminar | 1 bis 3 Tage | 200 bis 600 Euro | Fortgeschrittene mit konkretem Baum |
Der Einsteigerworkshop
Das gängigste Format. Meist wird ein Rohling gestellt, häufig eine Chinesische Ulme, ein Ficus oder ein Wacholder, und über einen Tag zu einem ersten gestalteten Baum gearbeitet. Behandelt werden Substratwahl, Topfen, Grundschnitt und die erste Drahtung.
Worauf zu achten ist: Wie viele Teilnehmende kommen auf eine Leitung? Bei mehr als zehn Personen bleibt für den Einzelnen wenig Korrektur, und genau die ist der Wert des Formats. Und ob Material enthalten ist, denn der Unterschied zwischen 80 und 200 Euro ist fast immer der Rohling.
Der Vereinsabend, der am meisten unterschätzt wird
Bonsai-Vereine gibt es in fast jeder größeren Stadt, und sie sind unter Kostengesichtspunkten konkurrenzlos. Für einen Jahresbeitrag in der Größenordnung eines einzigen Workshops bekommt man zwölf Abende, an denen erfahrene Mitglieder mit auf den eigenen Baum schauen.
Der eigentliche Vorteil ist die Kontinuität. Bonsai ist eine Arbeit über Jahre, und die interessanten Fragen kommen nicht am ersten Tag, sondern im dritten Jahr, wenn ein Ast nicht so wächst wie geplant. Viele Vereine stellen zudem Werkzeug, das für Einzelne kaum zu rechtfertigen ist, etwa Hohlkopfzangen oder größere Wurzelscheren.
Onlinekurse: gut für Theorie, schwach für Technik
Für Artenkunde, Jahresablauf, Substratkunde und Gestaltungsformen sind Videokurse ein vernünftiges Werkzeug, weil man sie zum passenden Zeitpunkt noch einmal ansehen kann. Für Schnitt und Drahtung ersetzen sie den Präsenzkurs nicht: Die Rückmeldung fehlt, und gerade beim Drahten ist der Unterschied zwischen richtig und schädlich eine Frage von Millimetern Spannung.
Eine brauchbare Kombination ist, die Theorie online zu erarbeiten und einen Präsenztermin gezielt für die Handarbeit zu nutzen.
Meisterseminare
Hier wird nicht mehr die Grundtechnik erklärt, sondern an vorhandenem Material gearbeitet. Man bringt den eigenen Baum mit und erhält eine Einschätzung zur weiteren Gestaltung. Das lohnt sich, sobald ein Baum eine Entscheidung braucht, die man nicht mehr rückgängig machen kann, etwa ob ein starker Ast bleibt oder fällt.
Für Anfänger ist das Format ungeeignet und meist frustrierend, weil Vorwissen vorausgesetzt wird.
Woran man einen guten Kurs erkennt
- Die Gruppengröße wird vorher genannt und liegt unter zwölf Personen.
- Es steht dabei, welche Arten bearbeitet werden, nicht nur das Wort Bonsai.
- Werkzeug wird gestellt, und es wird erklärt, warum welches.
- Es gibt einen Teil zur Nachsorge, nicht nur zur Gestaltung.
- Die Leitung sagt auch, was man nicht tun soll, nicht nur, was möglich ist.
Ein Warnzeichen ist der Kurs, der einen fertigen Baum verspricht. Ein Bonsai ist am Ende eines Tages gestaltet, nicht fertig. Wer etwas anderes ankündigt, verkauft eher einen Verkaufstermin als einen Kurs. Die Grundlagen, auf denen jeder Kurs aufsetzt, stehen unter Bonsai.
Was man vorher können sollte
Nichts. Aber es hilft, vor dem ersten Kurs einen einfachen Baum ein halbes Jahr am Leben gehalten zu haben, damit man Gießen und Standort schon kennt und sich im Kurs auf die Technik konzentrieren kann. Ein Ficus vom Gartencenter für zwanzig Euro reicht dafür vollkommen.