Erst bestimmen, dann handeln
Gelbe Blätter sind kein Befund. Sie entstehen bei Staunässe, bei Lichtmangel, bei Nährstoffmangel, bei Spinnmilben und bei Wurzelfäule. Wer daraufhin ein Insektizid einsetzt, hat im besten Fall nichts erreicht und im schlechtesten die Pflanze zusätzlich belastet.
Die schnellste Diagnose läuft über drei Handgriffe: Blattunterseite ansehen, Substrat prüfen, Neuaustrieb kontrollieren. Sitzen dort Tiere, ist es ein Schädling. Ist das Substrat dauerfeucht und riecht säuerlich, geht es um die Wurzeln. Ist beides unauffällig und nur der neue Austrieb kümmert, liegt es meist am Standort.
Die häufigsten tierischen Schädlinge
| Schädling | Erkennungsmerkmal | Begünstigt durch | Erste Maßnahme |
|---|---|---|---|
| Blattläuse | Weiche Tiere an Trieben, klebriger Honigtau, Ameisen | Weiches, überdüngtes Gewebe | Abbrausen, Stickstoffgaben zurückfahren, Nützlinge zulassen |
| Spinnmilben | Feine Gespinste, silbrige Sprenkel auf der Blattoberseite | Trockene, warme Heizungsluft | Luftfeuchte erhöhen, kräftig abbrausen, isolieren |
| Trauermücken | Kleine schwarze Fliegen über der Erde | Dauerfeuchtes, torfreiches Substrat | Oberfläche abtrocknen, mineralisch abdecken, unten gießen |
| Wollläuse | Weiße Wattepolster in Blattachseln | Trockene Luft, dichter Stand | Mechanisch entfernen, Pflanze separieren, wiederholt kontrollieren |
| Schildläuse | Braune, feste Höcker auf Trieben, klebriger Belag | Warme Überwinterung | Abkratzen, befallene Triebe entfernen, geduldig nachkontrollieren |
| Thripse | Silbrige Saugstellen, schwarze Kotpünktchen | Warm und trocken | Blautafeln zur Kontrolle, Luftfeuchte erhöhen |
Bei fast allen dieser Gruppen gilt: Der Befall kommt wieder, wenn die Ursache bleibt. Spinnmilben verschwinden nicht dauerhaft, solange die Pflanze über einem Heizkörper steht. Das ist auch der Grund, warum Wiederholungsbehandlungen im Abstand von sieben bis zehn Tagen nötig sind: Sie erwischen die inzwischen geschlüpfte nächste Generation.
Pilzliche Krankheiten
- Echter Mehltau. Weißer, abwischbarer Belag auf der Blattoberseite. Tritt bei Wärme und Trockenstress auf. Befallenes entfernen, gleichmäßiger wässern, luftiger stellen.
- Falscher Mehltau. Gelbliche Flecken oben, gräulicher Rasen auf der Blattunterseite. Braucht Nässe. Von unten gießen und Bestände ausdünnen.
- Rost. Orangebraune Pusteln auf der Blattunterseite. Befallenes Laub gründlich abräumen, auch das heruntergefallene.
- Grauschimmel. Grauer, staubiger Pelz auf welkenden Teilen. Entsteht bei stehender, feuchter Luft. Belüftung ist die eigentliche Behandlung.
- Wurzel- und Stängelfäule. Kein Pilzbelag sichtbar, aber weiches, dunkles Gewebe an der Basis. Fast immer Folge von Staunässe.
Befallenes Material gehört in den Restmüll, nicht auf den Kompost. Sporen überstehen einen Hauskompost problemlos und kommen mit der nächsten Kompostgabe zurück ins Beet.
Wurzelfäule: der Sonderfall
Wurzelfäule ist die häufigste Todesursache von Topfpflanzen und gleichzeitig die am spätesten erkannte, weil oben lange nichts passiert. Wenn Blätter welken, obwohl die Erde feucht ist, ist das der Moment zum Austopfen.
Gesunde Wurzeln sind fest und hell. Faule sind braun bis schwarz, weich und lassen sich abziehen wie ein nasser Strumpf. Alles Faule wird bis ins gesunde Gewebe zurückgeschnitten, der Ballen kommt in frisches, durchlässiges Substrat und einen Topf, der nicht größer ist als nötig. Die ersten zwei Wochen wird sehr sparsam gegossen und nicht gedüngt. Die Vorbeugung steht dagegen unter Zimmerpflanzen: passender Topf, Abzugsloch, Untersetzer leeren.
Vorbeugen ist der eigentliche Pflanzenschutz
- Quarantäne. Neue Pflanzen zwei bis drei Wochen getrennt halten und kontrollieren. Der größte Teil aller Befälle kommt eingekauft ins Haus.
- Standortgerecht pflanzen. Eine Pflanze am falschen Platz ist dauerhaft geschwächt und wird zuerst befallen.
- Maßvoll düngen. Stickstoffüberschuss erzeugt weiches Gewebe, das Läuse bevorzugen.
- Luft bewegen. Zu dichter Stand und stehende Luft sind die Voraussetzung für fast alle Pilzprobleme.
- Regelmäßig hinsehen. Ein Befall in der zweiten Woche ist eine Kleinigkeit, in der achten ein Projekt.
- Nützlinge fördern. Marienkäfer, Florfliegen und Schwebfliegen halten Blattläuse im Garten weitgehend in Schach, wenn nicht breit gespritzt wird. Was dafür blühen sollte, steht unter Schnittblumen und Deko.
Wann Mittel sinnvoll sind
Wenn mechanische Maßnahmen und Standortkorrektur nicht reichen, sind Pflanzenschutzmittel ein legitimes Werkzeug. Dann gilt: nur zugelassene Mittel für die betreffende Kultur, Dosierung und Wartezeit exakt einhalten, nicht bei Bienenflug und nicht vorbeugend auf Verdacht. Für den Innenraum sind Anwendungen sinnvoll, die ohne Sprühnebel auskommen. Wer bei Nutzpflanzen behandelt, prüft vorher zwingend die Wartezeit bis zur Ernte.