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Blumen Vandermolen
Thema

Vermehrung & Anzucht

Stecklinge, Aussaat, Veredelung und Gemüsevorkultur - Pflanzen selbst nachziehen statt nachkaufen.

Kurz gesagt

Fast jede Zimmer- und Gartenpflanze lässt sich vermehren. Entscheidend sind der richtige Zeitpunkt, ein sauberer Schnitt und mageres Substrat. Nährstoffreiche Erde bremst die Bewurzelung, weil die Pflanze keinen Anlass hat, Wurzeln zu bilden.

Vier Wege, und wann welcher passt

Methode Geeignet für Zeitpunkt Aufwand
Stecklinge Die meisten Zimmerpflanzen, Kräuter, viele Sträucher Mai bis August Gering
Aussaat Einjährige, Gemüse, Wildstauden Februar bis April drinnen, ab Mai draußen Mittel, dafür viele Pflanzen
Teilung Horstbildende Stauden, Gräser, Grünlilie Frühjahr oder September Gering, sofort große Pflanzen
Veredelung Obstgehölze, Rosen, einige Kakteen Winter oder Hochsommer je nach Technik Hoch, braucht Übung

Stecklinge: die Methode für fast alles

Ein Steckling ist ein Triebstück, das eigene Wurzeln bildet. Geschnitten wird ein junger, aber schon leicht fester Trieb von etwa acht bis fünfzehn Zentimetern, direkt unterhalb eines Knotens. An dieser Stelle sitzt das teilungsfähige Gewebe, aus dem Wurzeln entstehen.

  1. Untere Blätter entfernen, sodass mindestens zwei Knoten frei sind.
  2. Große Blätter halbieren, das reduziert Verdunstung.
  3. In mageres, feuchtes Substrat stecken, etwa Anzuchterde mit Sand oder reinen Perlit.
  4. Hell, aber nicht in der prallen Sonne aufstellen, bei etwa 20 bis 24 Grad.
  5. Luftfeuchte hochhalten, etwa mit einer durchsichtigen Haube, die täglich kurz gelüftet wird.

Bewurzelt ist der Steckling, wenn er auf leichten Zug Widerstand leistet und neuen Austrieb zeigt. Je nach Art dauert das zwei bis acht Wochen. Bei sukkulenten Arten läuft es anders herum: dort muss die Schnittfläche erst mehrere Tage abtrocknen, siehe Sukkulenten und Kakteen.

Bewurzelungspulver ist kein Muss. Es hilft bei schwer bewurzelnden Gehölzen, bei Efeutute, Tradescantia oder Minze ist es überflüssig.

Aussaat: die häufigsten Fehler

Anzuchterde ist bewusst nährstoffarm. Das ist kein Sparen, sondern Absicht: Keimlinge sollen Wurzeln bilden, um an Nährstoffe zu kommen. In fetter Blumenerde wachsen sie oben schnell und unten schlecht.

Gemüse aus eigener Vorkultur

Vorkultur lohnt für alles, was eine lange Kulturzeit hat: Tomaten, Paprika, Chili, Auberginen, Kohl und Sellerie. Direkt ins Beet gesät werden dagegen Wurzelgemüse wie Möhren und Radieschen, weil sie Verpflanzen nicht vertragen, ebenso Bohnen und Erbsen.

Kultur Aussaat drinnen Ins Freie
TomateEnde Februar bis Mitte MärzNach den Eisheiligen
Paprika, ChiliAnfang FebruarNach den Eisheiligen
Kürbis, ZucchiniMitte bis Ende AprilEnde Mai
SalatAb Februar, mehrfach gestaffeltAb März möglich
Möhre, RadieschenNicht vorziehenDirektsaat ab März

Teilung: der schnellste Weg zu großen Pflanzen

Horstbildende Stauden werden alle drei bis fünf Jahre geteilt, was sie zusätzlich verjüngt. Der Ballen wird ausgegraben und mit Spaten oder zwei Grabgabeln Rücken an Rücken zerteilt. Jedes Teilstück braucht Wurzeln und mindestens eine Knospe. Der beste Zeitpunkt ist das Frühjahr oder der September, Herbstblüher werden im Frühjahr geteilt und Frühjahrsblüher nach der Blüte.

Bei Zimmerpflanzen funktioniert dasselbe: Grünlilie, Bogenhanf, Farne und Calathea lassen sich beim Umtopfen einfach auseinanderziehen.

Absenker und Veredelung

Absenker sind die risikoärmste Vermehrung bei Gehölzen: Ein biegsamer Trieb wird in eine flache Rinne gelegt, mit Erde bedeckt und beschwert, während er weiter mit der Mutterpflanze verbunden bleibt. Erst wenn eigene Wurzeln gebildet sind, wird abgetrennt. Bei Haselnuss, Weigelie oder Johannisbeere klappt das fast immer.

Veredelung ist ein anderes Kaliber. Dabei wird ein Edelreis der gewünschten Sorte auf eine Unterlage gesetzt, die Wuchsstärke und Bodenverträglichkeit bestimmt. Bei Obst ist das der Grund, warum dieselbe Apfelsorte als Spalier oder als Hochstamm zu haben ist. Wer damit anfängt, sollte mit Kopulation an gleich starken Trieben im späten Winter beginnen und die ersten Versuche als Übung verbuchen.

Häufige Fragen

Wasserglas oder direkt ins Substrat?

Im Wasserglas sieht man den Fortschritt, aber Wasserwurzeln sind anders gebaut als Erdwurzeln und müssen sich beim Umtopfen umstellen. Direkt in feuchtes, mageres Substrat gesteckt wurzeln die meisten Arten stabiler, nur eben unsichtbar.

Was sind Licht- und Dunkelkeimer?

Lichtkeimer wie Basilikum, Salat oder Kapuzinerkresse werden nur angedrückt, nicht bedeckt. Dunkelkeimer wie Kürbis, Bohnen oder Ringelblume brauchen eine Erdschicht von etwa der doppelten Samenhöhe.

Warum werden meine Sämlinge lang und kippen um?

Zu warm und zu dunkel. Nach dem Keimen brauchen Sämlinge kühler und heller als bei der Keimung, sonst vergeilen sie. Umkippende Keimlinge mit eingeschnürter Basis deuten zusätzlich auf Umfallkrankheit durch zu feuchtes Substrat hin.

Wann darf die Anzucht nach draußen?

Frostempfindliches erst nach den Eisheiligen Mitte Mai. Davor werden Jungpflanzen über ein bis zwei Wochen abgehärtet: erst stundenweise in den Schatten, dann länger und sonniger.

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