Aquascaping unterscheidet sich vom klassischen Gesellschaftsbecken durch die Reihenfolge. Hier steht nicht der Fischbesatz am Anfang, sondern die Landschaft. Steine und Wurzeln bilden ein Gerüst, Pflanzen übernehmen Fläche und Textur, und der Besatz kommt zum Schluss oder gar nicht.
Die drei gängigen Stile
- Naturaquarium. Angelehnt an natürliche Landschaften, meist mit einem klaren Blickpunkt, asymmetrisch aufgebaut und mit vielen Pflanzenarten in Gruppen. Der zugänglichste Stil.
- Iwagumi. Reines Steinlayout, meist drei oder fünf Steine, wenige Pflanzenarten, oft nur ein Bodendecker. Sieht einfach aus, ist es nicht: Ohne stabile Nährstoff- und CO2-Versorgung wird es ein Algenbecken.
- Dutch Style. Keine Hardscape-Landschaft, sondern Pflanzenbeete in Reihen und Farbstufen. Verlangt viel Rückschnitt und ein gutes Auge für Blattform und Farbe.
Aufbau: die Reihenfolge, die Arbeit spart
- Layout trocken planen. Steine und Wurzeln im leeren Becken so lange umstellen, bis die Komposition steht. Ein Foto vom Zwischenstand hilft mehr als der direkte Blick.
- Bodengrund einbringen. Nährboden unten, darüber Soil oder Sand. Nach hinten ansteigend aufbauen, das erzeugt Tiefe. Ein Gefälle von vorne zwei bis hinten acht Zentimetern ist ein brauchbarer Anhalt.
- Hardscape setzen, teilweise in den Boden eingegraben. Steine, die nur oben aufliegen, wirken hingestellt statt gewachsen.
- Bepflanzen im halb gefüllten Becken. Mit einer Pinzette lässt sich bei niedrigem Wasserstand deutlich sauberer arbeiten.
- Langsam auffüllen, etwa über einen Teller, damit der Bodengrund nicht aufgewirbelt wird.
Pflanzenwahl nach Zonen
| Zone | Arten | Anspruch |
|---|---|---|
| Vordergrund | Eleocharis, Micranthemum, Cryptocoryne parva | Bodendecker brauchen Licht, teils CO2 |
| Mittelgrund | Anubias, Cryptocoryne wendtii, Bucephalandra | Genügsam, ideal für den Einstieg |
| Hintergrund | Vallisneria, Hygrophila, Limnophila | Schnellwüchsig, regelmäßiger Rückschnitt |
| Aufsitzer | Javafarn, Javamoos, Anubias nana | Werden auf Stein oder Wurzel gebunden, nicht eingepflanzt |
Ein häufiger Fehler bei Aufsitzern: Javafarn und Anubias werden mit dem Rhizom eingegraben. Das Rhizom fault dann zuverlässig ab. Es gehört auf den Untergrund gebunden, nur die Wurzeln dürfen Kontakt zum Boden haben.
Licht, CO2 und Nährstoffe gehören zusammen
Das ist der Punkt, an dem die meisten Becken kippen. Licht treibt die Photosynthese an, CO2 und Nährstoffe liefern das Material dafür. Fehlt eines von beiden bei viel Licht, können die Pflanzen das Angebot nicht nutzen, und Algen füllen die Lücke.
Zwei Wege funktionieren, der dritte nicht:
- Low Tech. Moderates Licht, sechs bis acht Stunden, langsamwachsende Arten, kein CO2, sparsame Düngung. Stabil und pflegearm.
- High Tech. Starkes Licht, CO2-Anlage, vollständige Düngung, wöchentlicher Rückschnitt und Wasserwechsel. Schnelles Wachstum, aber weniger Fehlertoleranz.
- Viel Licht ohne CO2. Die verlässlichste Methode, ein Algenbecken zu bekommen.
Die Einlaufphase
In den ersten vier bis acht Wochen baut sich die Bakterienkultur im Filter auf. In dieser Zeit sind Kieselalgen und ein Braunbelag normal und verschwinden meist von allein. Was hilft: häufigere Wasserwechsel von 30 bis 50 Prozent pro Woche, Beleuchtungsdauer zunächst auf sechs Stunden begrenzen und noch keinen Fischbesatz einsetzen.
Erst wenn die Werte stabil sind und die Pflanzen sichtbar neuen Austrieb zeigen, kommt der Besatz dazu, und dann schrittweise.
Pflege im Alltag
Ein Aquascape lebt vom Rückschnitt. Stängelpflanzen werden regelmäßig eingekürzt, damit sie unten nicht verkahlen, Bodendecker gestutzt, damit die Schicht nicht zu dick wird und von unten abfault. Wöchentlicher Teilwasserwechsel, Filterkontrolle und das Entfernen abgestorbener Blätter sind die eigentliche Arbeit.
Wer die Logik dahinter übertragen will: Im Gartenteich funktioniert das Verhältnis von Pflanzen zu Algen nach denselben Regeln, nur ohne Technik. Mehr dazu unter Wasserpflanzen und Teich.